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Eine kurze Geschichte des Reggae
DUB oder "Die Kunst des Toningeneurs"
TOASTING oder "Die Wurzen des Rap"
REGGAE INA ITALY - eine Übersicht"
Dubplates
Ursprünge des Begriffes "Reggae"
PATOIS und Jamaican Slang
Entstehung und Entwicklung der Sound Systems
"Selecta, now wheel up! Ease and come again!" Ein Spruch, der beschreibend für pure Energie,
eine gute Stimmung mit einer guten Partycrowd, einem fetten Hit und einem noch fetteren Sound-
system steht. Doch zunächst fragen wir, was ist ein Soundsystem?
Ein Soundsystem, oder
einfacher Sound oder Set, ist was man hier als mobile Diskothek verstehen kann. Mit dem Unterschied,
daß ein Reggae Soundsystem mehr aufweisen muß, als einen DJ oder CD Einleger mit den letzten
Hits vom Media Markt. Eine Soundsystem Kultur wie sie in Jamaika existiert, sucht natürlich weltweit
seinesgleichen. Im Ursprungsland des Reggae ist diese Kultur schon seit mehr als 35 Jahren nicht
mehr wegzudenken. Solange gibt es einen der berühmtesten Sounds - Killamanjaro. Zu einer Zeit in
der Jamaikaner in die USA gehen, um dort zu arbeiten, um die Musik der dort bekannten R&B Künstler mit
nach Hause zu bringen, tauchen die ersten Selektors (bei uns bekannt als DJs) auf. Es sind
gerade diese Jamaikaner, die ihre gekauften Scheiben an die Ohren des restlichen Volkes bringen wollen.
Mit dem verdienten Geld kauft man sich ebenso Plattenspieler und das erforderliche Equipment, um
die Hits ordentlich präsentieren zu können. Hier entsteht schon das erste Konkurrenzdenken in Bezug
auf die neuesten und heißesten Platten, die sich nur die leisten konnten, die in Amerika Arbeit
hatten. Doch auch dieser Zustand erfährt eine Bremsung durch den Abbau ausländischer Arbeitskräfte in den
USA und die jamaikanischen Discjockeys müssen, um nicht ihre mühevoll aufgebaute Karriere zu
gefährden, auf neue Möglichkeiten zurückgreifen. So neu sind diese natürlich nicht, da es auf
der Insel an jeder Straßenecke Talente gibt, die den amerikanischen Musikern in nichts nachstehen.
Man reagiert schnell und produziert eigene Leute, die dann über die Defizite hinweg trösten sollen.
Damit ist der Grundstein für die unendliche, nicht abebben wollende Welle von jamaikanischen
Produktionen, bis zur heutigen Zeit gelegt. Es ist nicht so, als gäbe es noch keine Musik, so daß amerikanische Acts
gefeatured werden müssten, aber die Plattenindustrie entsteht erst durch dieses "Loch" in der
Einfuhr von R&B-Scheiben.
Der Ska ist die erste Form der jamaikanischen Musik,
die sich aus der Mischung
traditioneller und neuer Stile auf Schallplatten etabliert. Aus dem Ska entsteht der
Rock Steady und
schließlich der Reggae.
Die stolzen Besitzer eines Soundsystems bauen ihre Anlage aus und auch die Zahl
der aktiv Beteiligten steigt, da man den größtmöglichen Hype erzeugen will. Die DJs,
also Selectors,
konzentrieren sich auf ihre Auswahl an Hits und ein Mic Chatter (MC) heizt durch gezielte Reim- und
Singparts die Partypeople in den "Bridgeparts" und Übergängen zum nächsten Lied an. Das zieht so gut, daß
sie über gesamte Instrumentals, die sogenannten Versions, chatten, also reimen. (Hier sollten
jetzt die Hip Hop Leute aufmerksam werden, denn der zündende Funke für ihre Kultur kommt nunmal aus
Jamaika!) Das ist die Vorstufe des uns seit den 80ern bekannten Dancehall-Reggae.
Ein Soundsystem besteht in der Vollversion aus einem Selector, einem MC, einem
Besitzer, oder Promoter, Technikern, Box Boys, Equipment und den Schallplatten.
Natürlich spielen die Fans auch eine große Rolle, da diese meist in Gruppen organisiert ihrem favorisiertem
Sound folgen und ihn lauthals unterstützen.
Der Selector hat die verantwortungsvolle Aufgabe alle Plattentitel, vom Stil bis zum Künstler, bis zum
Platz in der Plattenkiste, auswendig zu kennen, schnell zu agieren und wenn möglich immer den richtigen
Tune parat zu haben. Er muß sich auf die Bedürfnisse der Leute und deren Stimmung einstellen, bzw.
diese selbst erzeugen, indem er die Platten in der kickenden Variation und Reihenfolge spielt. Er muß,
um als guter Selector anerkannt zu sein, die Songs richtig mischen können, so daß ein Fluß entsteht, bei
dem die Leute weitertanzen können. Er kann sich aber auch nur auf das Auswählen
der Tunes beschränken und einen extra Mixer an die Plattenspieler stellen, der diesen Part für ihn
übernimmt. Der MC, auch Mic Chatter, ist die stimmliche Unterstützung des Selectors. Er ist
verantwortlich die Songs anzusagen und das Partyvolk anzustacheln. Er baut diesen energiegeladenen Vibe
analog zu den Songs mit auf und animiert die Leute mitzusingen, oder den Tune, bei dem am meisten
abgeht, vom Anfang zu spielen. Das ist der sogenannte "Wheel" oder
"Forward", bei dem die Platte zurückgedreht
und von Anfang läuft, nachdem die Dancehall-Crowd lautstark, meist mit Trillerpfeifen, Tröten und
sonstigen Utensilien, ihren Gefallen an dem gerade gespielten Stück ausdrückt. Oft geschieht das mehrere
Male mit dem selben Tune. Der MC reißt auch mal Witze am Mikro und macht bei Soundclashes
(zwei Sounds gegeneinander) die Besetzung des anderen Sounds lächerlich. Auch hat er die Aufgabe
Veranstaltungshinweise durchzusagen. Der Promoter, der nicht zwangsläufig Besitzer des Sounds sein muß,
aber oft ist, kümmert sich um die Auftrittsmöglichkeiten und Dates und Locations für seinen Sound. Er verhandelt
Booking-Verträge und verwaltet die Gagen. Die Techniker sind verantwortlich für den gesamten Sound,
von der Verkabelung bis zur Wartung. Mit den "Box Boys", die Jungs, die die gesamte Anlage transportieren,
ausladen, tragen und aufbauen, bringen sie das Equipment auf den höchstmöglichen Level. Die Fans, oder
sogenannten Sound Followers, sind die Kirsche auf der Sahne eines Soundsystems. Sie sind oft weitaus
mehr als nur Fans; sie organisieren sich in Crews, die ihren auserkorenen Sound auf jedem Auftritt repräsentieren.
Sie handeln mit Kassetten des Soundsystems und fallen durch bestimmte Tänze oder Klamotten auf.
Eine bekannte Crew oder auch Massive genannt, des berühmten Stone Love Movement Soundsystems aus Jamaika,
ist die Black Roses Crew, mit dem bekannten Tänzer Bogle, nachdem auch der gleichnamige Tanz benannt ist.
Sie werden auf jeder Party und auf allen Mixtapes genannt und sind somit oft auch Synonym zu ihrem Sound.
Vor allem in den sogenannten Soundclashes sind die Sound Followers von immenser Wichtigkeit.
Ein Soundclash ist ein Wettkampf zweier (oder mehr) konkurrierender Soundsystems,
der nach gewissen Regeln abläuft. Die Sounds versuchen sich mit ihrem Equipment, günstigstenfalls
bestehend aus Plattenspielern, Mischpult, Sampler, Effekten, Tapedecks, CD-Spielern, DAT-Maschinen, Amplifiern,
fetten Boxen, Subwoofern etc. und mit ihrer Auswahl an Tunes und Dubplates zu übertrumpfen.
Dubplates sind extra angefertigte Einzelstücke (Schallplatten), manchmal aus Vinyl, meist jedoch aus
mit einem Lack überzogenen Metallplatten, die durch ihre Dicke aussehen wie Teller. Auf diesen
Extraanfertigungen singen bekannte Künstler ihre Songs verändert und mit Nennung des jeweiligen
Sounds, was natürlich Werbung und Aufwertung für denselben bedeutet. Je ausgefallener oder berühmter
der Künstler, desto mehr Hype und Gewinnchancen bei einem Soundclash. Doch Dubplates sind nicht
Alles. Ein Sound muß ebenso durch die Fähigkeiten des Selectors und den, wie Pfeile treffenden
Sprüchen des MCs, aufwarten können. Die gegnerischen Mitglieder eines Sets werden auch als
Soundboys bezeichnet und die MCs heizen den Konkurrenzkampf mit Sprüchen wie:
"Another soundbwoy fi dead", oder "Kill a soundbwoy tonite", an.
Was nicht wörtlich genommen werden darf, da einen Sound töten oder Soundbwoy
killen, nichts anderes bedeutet als seinen Konkurrenten zu besiegen. Der Soundclash fängt meist mit
einem Warm up an, bei dem jeder Sound ca. eine Stunde abwechselnd spielt. Die jeweiligen Sound
Followers checken die Lage ab und in dieser Phase wird noch stylisch abgetanzt. Dann nach ein paar
Stunden entwickelt sich die nächste Phase, nämlich die, bei dem sich die MCs mit Sprüchen und
Toasting
(jamaikanische Version des rappen) über Versions gegenseitig anstacheln und die Selectors schon mal die
ersten Dubplates spielen. Die Spielzeiten, auch Segmente genannt, verkürzen sich im Laufe der Zeit und die
gegenseitigen Attacken werden schärfer. Die Partyleute schreien, pfeifen, halten Feuerzeuge in die Luft
und winken mit Tüchern für ihren Sound, oder gegen den Anderen. Wenn ein Tune oder Dubplate eine sehr gute
Wahl ist, schreien sie nach einem "Wheel" oder wie gesagt "Forward", um die Platte nochmal zu hören.
Eine Bounty Killer Dubplate, so Tuffie von Black Majesty Intl.,wurde sogar bis zu neun Mal
gewheelt. Es reichen schon oft die ersten Takte oder Worte eines bestimmten Tunes, um die Crowd völligst
ausflippen zu lassen. Der Höhepunkt findet dann im sogenannten "Dub fi Dub" statt, wo sich der wahre
Sieger herausstellt. Die Soundsystems dürfen jeweils abwechselnd nur noch einen Tune oder ein
Dubplate spielen. Das gegnerische Set reagiert sozusagen auf den gerade gespielten Song mit einem
darauf abzielenden besseren oder bekannteren oder lustigeren oder oder oder.....Song, der
hauptsächlich das Ziel hat, den Vorhergehenden zu übertrumpfen. Also die Antwort. Dieses Spiel wird
"Counteraction" genannt. Die Selectors und die MCs geben ihr Bestes, und später versucht der Stärkere dem
Schwächeren alle Dubplates oder die besten Tunes herauszukitzeln, bis er keine mehr spielen kann.
Das bedeutet, him run out of tunes, und der Überlegene fragt nun die Crowd, ob der Andere verloren
hätte (Him dead?). Falls "Nein", dann geht es in eine zweite Runde Dub fi Dub, aber wenn die Leute
"Ja" schreien, spielt der Selector des Gewinner-Sounds den letzten Tune, den sogenannten Burialtune
(Begräbnis-Stück) und gibt dem Verlierer-Sound zu verstehen, daß er soeben gekillt wurde. Auch
hier kann es sein, daß es mal unentschieden endet, dann findet ein "Rematch" statt. Nach einigen
Diskreditierungen und Siegesverkündungen endet der Soundclash und die vorher vermeintlichen Feinde
sind wieder Freunde, da dieser "Mord" natürlich nur musikalisch stattfindet.
Dread vs. Comb - offizielle Website von SunOne
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